{"id":2443,"date":"2015-05-11T03:50:47","date_gmt":"2015-05-11T05:50:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/?p=2443"},"modified":"2015-05-11T04:25:23","modified_gmt":"2015-05-11T06:25:23","slug":"mieser-tag-schicksal-und-eine-nette-begegnung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/?p=2443","title":{"rendered":"Mieser Tag, Schicksal und eine nette Begegnung"},"content":{"rendered":"<p>Nun haben wir den europ\u00e4ischen Kontinent verlassen und Asien erreicht. Leider bei str\u00f6mendem Regen und einer Temperatur<br \/>\nunter 5\u00b0 C.<br \/>\nHeute Morgen war die Welt hier mit einem wei\u00dfen &#8222;Zuckerguss&#8220; bedeckt.<\/p>\n<p>Nachdem wir am Freitag einen Depressionstag hatten und wir alles andere als motiviert waren, haben wir uns am Nachmittag auf den Parkplatz des 5 Sterne Hotels Ramada gestellt. Davor hatten wir versucht, zwei im Navi aufgezeigte Pl\u00e4tze anzufahren, die aber nicht vorhanden waren. Sind unmotiviert durch Jekaterinburg gefahren und wollten dann den Rastplatz anfahren, den Brigitte uns aufgeschrieben hatte. Dies f\u00fchrte zuerst dazu, dass wir anhand der Koordinaten unweit des Rastplatzes landeten. Leider aber auf der verkehrten Seite der Transib-Eisenbahnstrecke im Nirgendwo. Dann m\u00fchsam auf die andere Seite der Bahnlinie, um dort einen Rastplatz zu finden, der eher einem Schrottplatz glich. Ich bestand dann auch noch drauf, dass Gisela einen Polizisten nach M\u00f6glichkeiten zum \u00dcbernachten fragt. Zum Gl\u00fcck war der Polizist ein echter Knuffi und empfahl uns das Ramada. Dort standen wir nun mit unserer Depression. Etwas aufmunternd waren zum Gl\u00fcck der See und der nette kleine Park am Hotel.<br \/>\nDie mitgef\u00fchrte Flasche Whisky machte es dann ein wenig ertr\u00e4glicher.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Morgen hatten wir uns entschlossen die Stadt zu verlassen. Das orthodoxe Kloster Ganina Yama lag 40 km abseits von uns und wir hatten keinerlei Informationen, ob es sich lohnt oder ob es zu besichtigen sei. Selbst den Namen des Klosters suchten wir m\u00fchsam aus dem Internet heraus. Weitere Informationen gab es nicht. Also die Entscheidung, wir fahren nach Omsk. Bei der Abfahrt sagte das Navi eine Richtung an, die etwas verwirrend war. Dann, nach 5 km ging die Strecke immer noch Richtung Innenstadt. Gisela meinte schon vorher, das stimmt nicht. Bei der \u00dcberpr\u00fcfung der Route stellte ich dann fest, dass die Innenstadt am Vortage nicht erreicht wurde und somit wir \u00fcber die Innenstadt gelotst werden. Dann soll es eben so sein, nicht beachtend, dass es Samstag der 9. Mai 2015 war.<br \/>\nDer 70. Jahrestag, der MIR Tag, der Beendigung des 2. Weltkrieges. Diesen Tag kennen wir auch in Deutschland aus der Presse. Bilder wie D\u00fcsenj\u00e4gerformationen und Panzerparaden fallen mir dazu ein. Heute, einen Tag nachdem wir diesen Tag hier erleben durften, habe ich dazu ganz andere Bilder im Kopf. Wieder einmal f\u00e4llt mir auf, wie einseitig auch bei uns berichtet wird. Vorab das Negative: wir brauchten f\u00fcr unsere 5 km lange Tour durch die Innenstadt \u00fcber 3 Stunden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/20150509_100240.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2450\" title=\"20150509_100240\" src=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/20150509_100240.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"600\" srcset=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/20150509_100240.jpg 800w, http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/20150509_100240-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Daf\u00fcr hatten wir aber das Erlebnis zu beobachten, wie hunderttausende von Menschen die Innenstadt f\u00fcllten. Wie alte Menschen gemeinsam mit ihren Kindern, Enkelkindern und Urenkeln zu dieser Kundgebung gingen. Im russischen gibt es keinen Begriff f\u00fcr Frieden, der Begriff MIR sagt aus, kein Krieg und dies wird gefeiert von der ganzen Bev\u00f6lkerung. Ja doch, D\u00fcsenj\u00e4gerformationen, Panzerauffahrten und Milit\u00e4rparaden gab es auch. Dieses Machtgehabe muss anscheinend sein. Der \u00fcberwiegende Teil der Bev\u00f6lkerung ist einfach nur in Festlaune, weil seit 70 Jahren der Krieg vorbei ist. Die einzige Bedrohung hier, war das riesige Verkehrschaos, verursacht durch die vielen Omnibusse, die PKWs und die Masse an Fu\u00dfg\u00e4ngern. Die Polizei war machtlos und trotzdem hat alles funktioniert.<\/p>\n<p>Durch diese Verz\u00f6gerung durch die Innenstadt und der bei uns inzwischen wieder eingekehrten Zuversicht, entschlossen wir uns doch, noch zum Kloster Ganina Yama zu fahren. Der Weg dorthin ist ohne Navi nur schwer zu finden und der Zustand der Zufahrtsstra\u00dfe vorsichtig ausgedr\u00fcckt, nicht im optimalen Zustand. Der erste Eindruck als wir die Klosteranlage sahen, war beeindruckend.<br \/>\nEin sehr stiller, friedlicher Ort in einem Waldst\u00fcck. Die M\u00f6nche haben hier 7 Kirchen errichtet. Alle erbaut in Blockhausbauweise.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080239.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2448\" title=\"P1080239\" src=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080239.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080239.jpg 800w, http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080239-300x168.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Innenraum geschm\u00fcckt mit vielen Ikonen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080258.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2445\" title=\"P1080258\" src=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080258.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080258.jpg 800w, http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080258-300x168.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Ganze jedoch schlicht und nicht mit Gold \u00fcberh\u00e4uft wie viele andere Kirchen. Um die Kirchen sch\u00f6ne Wege durch den Birkenwald. Immer wieder steht eine Statue, die an die letzte Zarenfamilie erinnert. Der Zar, seine Frau und ihre 5 Kinder wurden in der N\u00e4he 1918 durch Bolschewisten ermordet. Damit diese Gr\u00e4ueltat nicht bekannt werden sollte, wurden die Gesichter der Leichen ver\u00e4tzt und die Leichen anschlie\u00dfend in einer Vertiefung im Wald verscharrt. Als man die Grabst\u00e4tte der Zarenfamilie im Jahre 1979 entdeckte, wurde hier das Kloster gegr\u00fcndet und die Kirchen als Andenken erbaut.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080254.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2446\" title=\"P1080254\" src=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080254.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080254.jpg 800w, http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080254-300x168.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Photographieren ist in den Kirchen\u00a0grunds\u00e4tzlich verboten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-2447\" title=\"P1080241\" src=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080241-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080241-300x168.jpg 300w, http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1080241.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Es wird kein Eintritt verlangt, Spenden sind willkommen. Frauen m\u00fcssen bei betreten der Kirchen ihren Kopf bedecken und ihre Beine mit einem Rock verh\u00fcllen.<\/p>\n<p>Jetzt habe ich aber schon einen Tag vorgegriffen. An diesem Tag fuhren wir, wie schon erw\u00e4hnt, zur Klosteranlage. Da gerade einige Besucher da waren entschlossen wir uns, zuerst etwas zu essen. Als wir so im Fahrzeug sa\u00dfen bemerkten wir, dass einige der Besucher unser WoMO bestaunten und es fotografierten.<br \/>\nEiner der Bewunderer klopfte dann zaghaft an unsere T\u00fcr und sprach eine Einladung zu sich nach Hause aus. Es war ein Mann mit 48 Jahren, der unserem typischen Russenbild entsprach. Milit\u00e4rklamotten an und ein kleines Barrett auf dem Kopf. Er sprach russisch und wenige Worte deutsch. Er w\u00e4re in den 80-Jahren als Soldat in Potsdam gewesen. Seine Frau kam dann auch dazu und wir nahmen die Einladung an. Wir fuhren ihrem Fahrzeug 20 Minuten hinterher und waren dann in ihrem Heim angelangt. Ein sehr sch\u00f6nes Haus und die Inneneinrichtung sehr modern und sehr komfortabel. Der Standard konnte mehr als mit deutschem Durchschnittsstandard konkurrieren. Ihr Haus sei unser Haus und wir sollen doch bei ihnen schlafen. Wir k\u00f6nnen die Banja benutzen, Duschen und sollen uns doch einfach Wohlf\u00fchlen. Wir f\u00fchlten uns wohl. Nachdem Boris, mein Freund, die Wodkaflasche ge\u00f6ffnet hatte merkte ich bald, dass ich da nicht mithalten kann. Irgendwann war die Flasche leer und er machte einen Cognac auf. Da war ich aber schon lange ausgestiegen. Es gab Tee, Kaffee und Kuchen, anschlie\u00dfend bis nach Mitternacht Braten, Kartoffeln, Wurst, K\u00e4se, Gegrilltes und zum Abschluss, selbstgemachte Piroge . Der Tag war mit Essen, Trinken und Plaudern ausgef\u00fcllt. Unser WoMo stand sicher bei ihnen im Innenhof. Bewacht von einem Rauhaardackel. Dieses Mistvieh hat mich sogar gebissen. Wir fuhren mit ihrem Fahrzeug gegen 21 Uhr den Weg in die Innenstadt zur\u00fcck. Dort erlebten wir dann den Abschluss des MIR-Festes durch ein fantastisches Feuerwerk. Es regnete, laut Wetterbericht bei gef\u00fchlten -5\u00b0 C in Str\u00f6men. Boris blieb im Wagen zur\u00fcck, wir hatten nur einen Parkplatz in der 3. Reihe gefunden. War f\u00fcr uns kein Problem, da wir ja Larissa als Fahrerin hatten. Boris konnte nat\u00fcrlich nicht mehr fahren. Das Verkehrschaos war wie am Mittag des Tages schon erlebt. Fast eine halbe Stunde ging das Feuerwerk. Die Menschen waren ausgelassen und bejubelten jede besonders sch\u00f6ne Rakete. Erst kurz nach Mitternacht waren wir zur\u00fcck.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1000020.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-2449\" title=\"P1000020\" src=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1000020.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"600\" srcset=\"http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1000020.jpg 800w, http:\/\/blog.wolfgang-strauss.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/P1000020-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach dem essen der frischgemachten Piroge (Rezept wurde ver\u00f6ffentlicht) ging es dann f\u00fcr uns ins WoMo zum schlafen.<\/p>\n<p>Boris weckte uns heute Morgen dann gegen 9 Uhr. Wir h\u00e4tten bestimmt noch l\u00e4nger geschlafen. Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck hie\u00df es dann Abschied nehmen und es fiel uns allen schwer. Ich w\u00e4re Boris &#8222;\u00e4lterer Bruder&#8220; und er war so ger\u00fchrt, dass uns ein liebevolles SMS kurz nach unserer Abfahrt erreichte.<br \/>\nWir k\u00f6nnen Boris und Larissa nur danken f\u00fcr ihre Gastfreundschaft und sagen, dass das eigene Leben durch solche Gesten ver\u00e4ndert wird.<\/p>\n<p>Wir fuhren heute Morgen noch einmal zu der Klosteranlage und besichtigten sie diesmal ausf\u00fchrlich.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend ging es weiter in Richtung Omsk. Knapp 1000 km bis zum n\u00e4chsten Etappenziel. Die Fahrt f\u00fchrte uns heute knapp 200 km weit. Inzwischen haben wir ja in Jekaterinburg Europa verlassen und Asien betreten. Unterwegs geht es jetzt durch eine der l\u00e4ngsten Tiefebenen der Welt. Gerade Stra\u00dfen, kaum W\u00e4lder, noch einige gro\u00dfe Felder und Dauerregen begleiteten uns auf unserem heutigen Weg. Nicht gerade aufregend. Jetzt stehen wir etwa 1 km abseits des Transsib-Highway mitten in einem kleinen Dorf. Kaum ein Mensch ist zu sehen und es ist sehr still. Mit Einbruch der Dunkelheit, es gibt keine Stra\u00dfenbeleuchtung hier, h\u00f6ren sogar H\u00fchner und G\u00e4nse zu gackern und schnattern auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun haben wir den europ\u00e4ischen Kontinent verlassen und Asien erreicht. Leider bei str\u00f6mendem Regen und einer Temperatur unter 5\u00b0 C. Heute Morgen war die Welt hier mit einem wei\u00dfen &#8222;Zuckerguss&#8220; bedeckt. 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