Resümee der Reise

Es ist schwierig für mich, hier eine Zusammenfassung zu schreiben. Grundlegend kann ich sagen, dass vieles anders war als ich ursprünglich angenommen hatte. Dies ist ausschließlich positiv gemeint. Tschechien mit seiner Hauptstadt Prag erlebten wir kurz nach Ostern. Hier war alles noch in Osterfeiertagsstimmung und reichlich geschmückt.  In Prag selbst war ein internationaler Besucherstrom. Es schien, als wären mehr Ausländer als Tschechen hier. Hier war dann das Wetter auch zum ersten Mal frühlingshaft. Polen ein Land in dem viel gestohlen wird – Wir erlebten ein Polen wie gewandelt. Super Straßen, freundliche, hilfsbereite Menschen und nette Städte und Dörfer mit gepflegten Häusern. Ein Vorzeigeland! Vielleicht Dank der EU. Ich bin fast neidisch auf die vielen guten Straßen. Polen, für mich immer noch ein günstiges Reiseland. Ich kann zwar die Polen verstehen, die meinen alles wäre teuer geworden, betrachtet am Verdienst in Deutschland lebt man hier aber noch sehr günstig. Litauen, Estland und Lettland sind wohl etwas weiter entfernt von Europa. Diese Länder gemeinsam zu betrachten ist nicht ganz korrekt. Es gibt deutliche Unterschiede. Besonders Lettland hat schon eine deutliche mitteleuropäische Ausprägung angenommen, im Erscheinungsbild aber auch bei den Preisen. Den großen Rummel, der um Riga veranstaltet wird, kann ich nicht verstehen. Wir waren (außerhalb der Saison) enttäuscht von dieser Stadt und ihrer Infrastruktur. Litauen ist für unsere Verhältnisse noch sehr günstig. Von der Hauptstadt Estlands, Tallinn, waren wir begeistert. Russland! Dieses Land zu begreifen bedeutet, ergriffen zu werden von diesem Land. Russland ist riesengroß und doch begreift man riesengroß erst, wenn man es erfahren hat. Wenn man drei volle Tage gefahren ist und dann auf die Landkarte schaut und erkennt, dass man nur wenige cm vorgedrungen ist in diesem Land. Die scheinbar ewig monotone Ebene scheint nie aufzuhören. Selbst der Ural, dieses Gebirge, hatte nur ein paar Hügelchen für uns, keines höher als 300 m. Erst im Altai hatte dann diese Monotonie ein Ende. Der Baikal, sowie das Altai ein Traum. Der Baikal für uns mystisch. Ein See, fast ein Meer, der Geheimnisse birgt. Man spürt den Zauber, der von diesem See ausgeht. Man spürt die Kraft der Schamanen. Der Baikal, in der Nachbetrachtung erkennend, dass wir länger hätten bleiben sollen. Das gleiche Gefühl für das russische Altai. Auch hier hätten wir etwas mehr Zeit verbringen sollen. Nicht, weil auch hier eine mystische Wirkung gewesen wäre. Nein, hier war es nur schön. Etwas touristische Infrastruktur und herrliche unverfälschte Hochgebirgswelt. Mit natürlichen Flüssen wie man sie in Europa nicht mehr findet. Die russischen Straßen sind sehr schlecht und die Polizei korrupt – Auch hier mussten wir unser Gehörtes revidieren. Die Straßen und nicht nur der Sibirische Highway waren in Ordnung. Auch viele Nebenstraßen. Straßen wo man im Schlamm versinkt, die gibt es sicherlich. Wir fanden aber keine. Natürlich, im Norden von Russland, wo Permafrost herrscht und die Gebiete, welche im Sommer nur mit dem Schiff zu erreichen sind und im Winter der Fluss als Straße dient, dort sind solche Wege sicherlich anzutreffen. Sicherlich auch noch abseits der großen Verkehrsverbindungen zu sehr kleinen Dörfern, letztendlich aber die Ausnahme und nicht die Regel. Die Russen haben wenig Umweltbewusstsein. Entlang der Straße, an jeder schönen Stelle grundsätzlich der Abfall von denjenigen, die vorher hier waren. Sie sind aber freundlich und überaus hilfsbereit. Das WoMo konnte überall abgestellt werden und nirgends hatten wir ein Problem. Sprachbarrieren gab es, waren aber nie ein Problem. Die Russen sprechen einfach immer weiter und versuchen so, die Kommunikation aufrecht zu erhalten. Und es funktioniert. Ehemalige russische Soldaten, die in Deutschland stationiert waren, haben ein gutes Bild von Deutschland. Das negative Bild, das von ehemals DDR- Bewohnern oft über „russische Besatzungssoldaten“ geäußert wurde, deckt sich nicht mit dem was wir erlebten. Wir erlebten offene Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft und ein herzliches Willkommen. Die Versorgung ist in Russland ausgezeichnet, zumindest in den Städten ist es auf westlichem Niveau. Nirgends, wirklich nirgends in den Ländern die wir schon bereist haben, gibt es so ein Wurst- und Brotangebot wie in Russland.  Das Angebot ist wie bei uns in Deutschland, selbst Mineralwasser mit Kohlensäue ist Standard in den Märkten. Das Durchschnittseinkommen in Russland ist wesentlich niedriger als bei uns in Deutschland. Für die Russen ist das Leben nicht billig. Für uns Deutsche ist es allerdings sehr günstig. Es war eine der günstigsten Reisen die wir bisher unternommen haben. Die Grundnahrungsmittel und der Sprit sind sehr günstig. Mit Sprit meine ich Benzin, noch günstiger ist der Wodka. Der war sensationell günstig und die Russen trinken ihn wie Wasser. Campingplätze gibt es so gut wie keine. Allerdings kann man überall ungestört stehen und keiner beanstandet dies. Russland war kein „Traumland“ für uns. Die langen, eintönigen Strecken waren anstrengend zu fahren. Überall stehen bleiben zu können war schön, jedoch bedeutet dies auch, keine Stelle zu haben an der man „bleiben“ kann. Dies empfanden wir als anstrengend. Wir konnten uns nur schwer vorstellen wie das Land im Winter ist. Im Winter fallen die durchschnittlichen Tagestemperaturen hier um 60°-70° C tiefer aus. Unvorstellbar!

Die Mongolei mit ihrem fantastischen Licht- und Schattenspiel, mit ihrer klaren Luft ein fantastisches Land. Ich blende hier die Hauptstadt Ulan Batar aus. Diese zu besuchen lohnt sich fast nicht. Es leben dort über 60% der Gesamtbevölkerung und doch spiegelt es nicht die Mongolei oder gar die Mongolen. Ein Land fast ohne funktionierende Infrastruktur. Wild und gerade deshalb so schön. Freiheit wird hier noch groß geschrieben. Fast alles ist erlaubt. Die Versorgung mit Lebensmitteln hat hier keinen westlichen Standard mehr. Die Mongolen essen sehr wenig Gemüse, Obst und Fisch. Fleisch und Käse ist angesagt, dies allerdings entsprach nicht immer unserem Geschmack. Trotzdem, zum Leben hatten wir immer genug und Wasser gab es im Überfluss. Wein war schwerer zu bekommen, Bier zu kaufen allerdings war problemlos möglich und Wodka gab es auch hier im Überfluss. Oftmals gab es Bier und Wodka aber in billiger chinesischer Qualität. Die Menschen auf dem Land waren sehr gastfreundlich, aber auch sehr neugierig. War unser WoMo offen und jemand in der Nähe, wurde es besichtigt. Genauso konnten wir aber die Jurten aufsuchen und dort ebenfalls „Gast“ sein. In der Mongolei ließen wir uns zu sehr treiben und es hätte gut getan, an manchen Stellen länger zu verweilen. Die Pisten forderten das WoMo und den Fahrer heraus, machten aber zumindest mir sehr viel Spaß. Die Legenden und Mythen, die über die Pisten grassieren, sind mit Vorsicht zu genießen.  Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, dass die Befahrung vieler Pisten keinerlei Gefahr bedeutet. Bei vernünftiger Fahrweise kommen allerdings Achsbruch und Federbrüche wesentlich seltener vor als es erzählt wird. Allerdings, die Piste die heute gut zu befahren ist, kann morgen ein Schlammloch oder ein reißender Fluss sein. Angst braucht man keine haben. Der Kopf bzw. die Aufmerksamkeit, sollte keinen Moment ausgeschaltet sein. Je einsamer es in der Mongolei wird, desto schöner wird es. Nomaden sind fast überall anzutreffen. Sie sind äußerst gastfreundlich, hilfsbereit und überaus neugierig. Bei allen späteren Fragen auf „wo kommt ihr her“ gab es abfällige Bemerkungen auf die Antwort „Mongolei“. Meist ein Lachen und der erstaunte Ausdruck „Dschingis Khaan“. Die Mongolei hat in den Nachbarländern keinen guten Ruf.

Kasachstan, auch hier allen Unkenrufen zum Trotz, keine korrupte Polizei und überwiegend gute Straßen und Pisten. Ein unserer Ansicht nach verrückter, etwas größenwahninniger Präsident, der sich mit seiner Retortenhauptstadt Astana ein Denkmal gesetzt hat. Die Kasachen allerdings lieben ihren Präsidenten. Astana, mitten in der Steppe gelegen, ist eine Augenweide. Sie passt jedoch nicht in das Gesamtbild des Landes. Kasachstan hat viele Rohstoffe und Erdöl und ist deshalb finanziell gut aufgestellt. Die Landbevölkerung ist ebenfalls sehr gastfreundlich. Auch hier halten sich die Gerüchte über schlechte Pisten und korrupte Polizei. Wir haben nur den Norden des Landes bereist und hier dies nicht angetroffen. Hilfsbereite Menschen gab es auch hier fast überall. Wo findet man es bei uns im Westen, dass einem Wasser und Brot gebracht wird als Willkommensgeschenk. Eine sehr berührende Geste.

Die Ukraine, welche wir ursprünglich nicht bereisen wollten, haben wir nur durchfahren. Vom Kriegsgebiet haben wir nichts bemerkt. Außerhalb dieses Gebietes ist die Ukraine sehr gut zu bereisen und bietet teilweise westlichen Komfort. Wer den allerdings nutzen kann, hat sich uns nicht erschlossen. Auf der sechsspurigen Autobahn fahren noch Pferdefuhrwerke und für Fußgänger stellt der Überweg über diese Autobahn eine lebensbedrohende Mutprobe dar. Wir hatten oft den Eindruck, dass mit Hilfe des Westens hier der zweite Schritt vor dem ersten stattgefunden hat. Für uns war der kurze Aufenthalt in diesem Land angenehm. Lediglich die Grenze zu Polen war eine Zumutung, dies allerdings von beiden Seiten. Hier ist eine tagelange Wartezeit auch keine Seltenheit. Zum guten Schluss dann noch die Slowakei. Auch dies war für uns nur ein Durchreiseland. Entlang der Hohen Tatra mit alpinem Charakter. Wir erschraken sehr, als wir an einem Campingplatz den Preis sahen, 50.- € für die Nacht. Dies erschien uns nach diesen 4 Monaten wie von einem anderen Stern. Meine Enttäuschung, die ich durch die Änderung der Reiseroute zum Schluss der Reise verspürte, hat sich gelegt. Das Wiedersehen von unseren Kindern, Enkelkind und Freunden hat dazu beigetragen und ich kann Gisela ein wenig besser verstehen, dass sie darauf gedrängt hatte, nach Hause zu kommen.

Nach der Reise ist ja bekanntlich vor der Reise und somit warten wir mal ab wo uns das Leben hinführt.

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Ein Kommentar zu Resümee der Reise

  1. Peter sagt:

    Wolfgang, wenn wir nach unserer Reise auf unserer HP (www.donnerlaster.de – falls deine Leser auch daran Interesse haben sollten) eine Resumee ziehen, könnte es sein, dass ich dein Resumee (natürlich mit vorheriger Erlaubnis) kopieren werde. Du sprichst mir/uns aus der Seele. Die Länder sehen wir genauso wie du/ihr. Die Ukraine und die Slowakei kenn ich von meinen vorherigen Reisen (damals noch ohne den Krieg) aber genauso hab ich es auch empfunden. Im Vorwege hatten viele unserer Freunde Angst um uns, aber nie haben wir die Messerklinge an unserem Hals gespürt. Man kann auch sagen: Null Probleme mit den Menschen. Im Gegenteil: nur positive Erlebnisse. Zu Kasachstan: Astana haben wir nicht besucht, sondern sind von der russischen Grenze aus Richtung Almaty gefahren (dort stehen wir zur Zeit bei MAN, unser Auto benötigt einen Ölwechsel und der Dachträger hat die 20.000 km nicht ganz überstanden und muss repariert werden). Das Land hat uns bisher nicht so zugesagt, wir hoffen, dass sich das noch ändert, denn wir wollen noch die Seidenstrasse Richtung Türkistan bereisen. Aber die Menschen haben uns überzeugt. Auch das, was wir in der Werkstatt erleben: Wir dürfen auf dem Gelände übernachten, der Sicherheitsdienst hat uns Wasser angeboten, die Sanitäranlagen dürfen wir nutzen und am Abend kam er noch mit Weintrauben an – tolle Menschen. Sie heben den Daumen, wenn sie uns überholen und sind begeistert. Und wir von ihnen auch. Insofern können wir deinem Resümee nur zustimmen. Verfolge uns weiter auf unserer HP und träume von den Ländern, die ihr nicht mehr besucht habt. Vielleicht kannst du ja Gisela mit unseren Berichten anstecken und ihr fahrt die Tour auch einmal ab.
    Viele Grüße aus Almaty
    Brigitte und Peter

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