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Esslinger Zeitung vom 9. September 2014

 

Ein Jahr in Afrika

 

WERNAU: Gisela und Wolfgang Strauß erfüllen sich einen Lebenstraum – Fast 39.000 Kilometer mit dem Wohnmobil gefahren

 

Futuristisch sieht die Sanddüne aus, die sich in der Namibwüste in Namibia türmt, rechts eine Oryx-Antilope. Fotos: Strauß

In Simbabwe haben Wolfgang und Gisela Strauß Phebion (8) besucht, für den sie eine Patenschaft bei „World Vision“ haben, die Frau vertritt die Organisation.

 

Neugierige Vögel: Bei Windhoek in Namibia klopften die „Tocos“, vermutlich Tukane, an die Fenster und begutachteten sich im Spiegel.

 

Von Regina Schultze

 

Heimweh hat sie nicht zurück nach Wernau geführt – es war das erste Enkelkind. Das hatte ihre ältere Tochter Martina angekündigt, als sie mit Ehemann und den guten Nachrichten an Weihnachten nach Sambia zu den Eltern gereist war. Nach einem Jahr in Afrika sind Gisela und Wolfgang Strauß rechtzeitig zurück gekommen, um Enkelin Emilie zu begrüßen, die am 3. September zur Welt kam. „Das war eine ganz arg aufregende Sache“, befindet die 58-jährige Oma.

 

Aufregend war aber auch die Zeit, nachdem das Ehepaar am 15. Mai 2013 ein One-Way-Ticket nach Port Elizabeth, fünftgrößte Stadt der Republik Südafrika, gebucht hatte. Der heute 61-Jährige war bei der EnBW Referent für Organisationsmanagment und startete in die Altersteilzeit. Seine Frau entschied, ihren Job in der Verwaltung eines Seniorenzentrums an den Nagel zu hängen und auf Tour zu gehen. Schon in den 80er-Jahren waren die Straußens mit ihren damals noch nicht schulpflichtigen zwei Töchtern auf dem Schwarzen Kontinent gewesen. Jeweils sechs bis acht Wochen, damit sich die Anreise in die Sahara lohnt. Afrika hat sie gepackt. Wie eine Sucht war das. „Wir mussten immer wieder hin“, sagt Gisela Strauß. „Jetzt haben wir uns einen Lebenstraum erfüllt, der 30 Jahre schlummerte.“

 

Leben an der Müllkippe

 

38 914 Kilometer hat das Ehepaar mit seinem Wohnmobil zurückgelegt und dabei 9000 Fotos aufgenommen. Ein 532 Seiten dickes Buch mit vielen Illustrationen liegt auf dem Wohnzimmertisch – die gesammelten Einträge ihres Blogs „Mit dem WoMo unterwegs in der Welt“. Südafrika, Lesotho, Swaziland, Namibia, Botswana, Simbabwe, Sambia, Malawi und Tansania haben sie gesehen. Das Lebensgefühl ist völlig anders. Die wohlhabenden Reisenden haben Menschen gesehen, die an der Müllkippe hausen und daraus ihr Leben bestreiten. Spätestens dann wird klar, warum sie im Heute leben und nicht ans Morgen denken.

 

Trotz aller Widrigkeiten: „Die Hilfsbereitschaft ist riesig.“ Mit Englisch und Deutsch konnten sich das Ehepaar Strauß überall gut verständigen. Vor allem von Simbabwe schwärmen die beiden Schwaben. „Da wird man angesprochen: Danke, dass Sie unser Land besuchen.“ Trotz der bitteren Armut wurden ihnen an einem Bankautomaten die 200 Dollar hinterher getragen, die wegen technischer Probleme erst beim folgenden Kunden ausgespuckt wurden. „Und das ist ein Vermögen!“

 

Männer kleiden sich westlich

 

Im Nordwesten von Namibia lernten sie das Nomadenvolk der Himbas kennen. Die Männer kleiden sich westlich. Die geschmückten Frauen nutzen die Wasserstelle nicht: Sie tragen stattdessen auf Körper und Haare eine Paste aus Kakaobutter und Erde auf. Das enthaltene Eisenoxyd sorgt für die rote Farbe.

 

In Simbabwe wollte das Paar den achtjährigen Phebion sehen, ihr Patenkind, das sie über die Organisation „World Vision“ unterstützen. Bei der Schulbesichtigung erfuhren sie, dass für 1300 der 2000 Schüler Patenschaften bestehen. Zu Besuch kommt kaum einer: Die Wernauer waren in den vergangenen zehn Jahren erst die Zweiten, die aus Europa anreisten. Als Festmahl bot Phebions Mutter zum Maisbrei ein Hühnchen an. Der Achtjährige bekam so große Augen, dass die Besucher ihm gerne ihr Fleisch überließen – er aß beide Portionen heißhungrig auf, erinnern sich die Wernauer lachend. In Malawi erfuhren sie, dass die Bevölkerung zwar gottesgläubig ist. Dennoch spielt der Voodoo-Zauber eine große Rolle. Ein gekündigter Farmarbeiter stieß einen Fluch aus, woraufhin alle anderen sofort die Arbeit niederlegten, bis ein 400 Kilometer weit angereister Voodoo-Priester – natürlich gegen Geld – den Gegenzauber aussprach. Stundenlang können die Afrika-Reisenden erzählen. Das tun sie seit der Rückkehr ausgiebig. „Mit Freunden ein Glas Wein trinken“, das hat dann doch ein bisschen gefehlt, haben sie bemerkt. Das wird nun nachgeholt. Seit wenigen Tagen ist sogar die Diashow fertig. Und wo geht die nächste Reise hin, nachdem der Lebenstraum erfüllt ist? Wieder nach Afrika? Nein, für 2015 wird ein Wechsel überlegt, Richtung Osten, Asien, Mongolei . . .

http://blog.wolfgang-strauss.com/

 

Die Frauen der Himbas in Namibia tragen auf Körper und Haare eine Paste aus Kakaobutter und Erde auf. Das enthaltene Eisenoxyd sorgt für die rote Farbe.

Die Straußens besuchen die Strauße: Die großen Vögel am Atlantik nahe Kapstadt sind an Menschen gewöhnt. Sie bleiben beim Fotografieren friedlich.

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Ein Kommentar zu Neu im Netz und in der Eßlinger Zeitung

  1. Claus sagt:

    …… ich dreh durch ….

    Respekt!

    Ehre dem Ehre gebührt 🙂

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