Olchon, leider nur ein Paradies auf Zeit

Die Tage hier waren sehr schön. Die Seele baumeln lassen, die Natur genießen. Von unserem Hotel aus machten wir einen 7-stündigen Ausflug mit einem russischen Kleinbus in das Herz des Naturschutzgebietes. Nicht selbst fahren zu müssen hat auch seine Qualität.

Auch im östlichen Teil der Insel ist die Landschaft überwältigend. Strand, Steilküste und steppenähnliche Landschaft wechseln sich alle paar Kilometer ab. In dieser Einsamkeit ließ Stalin einen Gulag errichten. Dort mussten dann bis zu 10000 Menschen ihren Arbeitsdienst ableisten in einer Fischfabrik. Reste sind auch heute noch zu sehen.
Wieder zurück in unserem „Hotel“ wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass an diesem Abend ein sibirisches Reggae-Konzert stattfindet. Ein Kolumbianer und seine kasachische Frau gaben südamerikanisch/ sibirische Volksmusik zum Besten. Eine mehr als interessante Kombination. Wir waren begeistert.
Anschließend brach leider unsere letzte Nacht in dieser Unterkunft an. Gisela holte noch unsere frischgewaschene Wäsche ab. Diese war hier etwas überteuert, das Kilo für 150 Rubel gewaschen worden. Sauber und trocken war sie, doch leider war das meiste sehr zerknittert. Egal, wir sind in Russland und wir werden es schon glatt tragen.

Am Morgen wurde dann gepackt. Da wir aus Mails wussten, dass heute Peter und Brigitte gegen 19 Uhr auf der Insel ankommen wollten, entschlossen wir uns, die Insel noch nicht zu verlassen und noch einen Abend mit den Beiden zu verbringen. Das Treffen klappte hervorragend und wir saßen in einer einsamen Bucht sehr nett zusammen. Es war so schön, dass diesem Abend noch zwei weitere folgten. Am nächsten Abend kamen auch noch zwei weitere deutsche Russlandreisende dazu und somit waren wir mit Jürgen und Gerda dann 6 Personen, die beim Grillen einen schönen Abend verbrachten. Danke hier an dieser Stelle noch an die Vier für die Rationen die sie mit uns teilten. Da wir auf „Hotel“ eingestellt waren und das Treffen nicht eingeplant hatten, waren wir etwas knapp mit frischen Lebensmitteln, Bier und Wein. Wodka hatten wir noch genügend.
Unser letzter gemeinsamer Abend wurde dann unterbrochen von den Rangern des Parks. Sie forderten uns auf, den Platz zu verlassen. Übernachtung hier sei illegal.


Da wir nicht sicher herausfinden konnten ob sie nur angetrunken waren, sich versuchten ein zusätzliches Einkommen zu ergaunern oder gar im Recht waren, verlagerten wir uns in das 17 km entfernte Dorf und verbrachten dort einen netten Abend und die Nacht. Die Vier wollten am nächsten Morgen weiter in den Park hinein und wir nahmen deshalb Abschied und versuchten um 10 Uhr die Fähre zu erreichen.
Pünktlich um 5 Minuten vor 10 Uhr waren wir dann an der Fähre und mussten feststellen, dass sie leider voll war. 1 Stunde warten war dadurch angesagt.
Eine Zeit, die ich ausnutzen konnte. Da ich seit Tagen nicht zum schreiben gekommen bin, war dies die willkommene Gelegenheit.

Wieder auf dem Festland zurück fuhren wir Richtung Irkutsk. Dort wollten wir unsere Lebensmittel auffüllen und dann weiter in Richtung Ulan Ude. Es war auf der Fahrt zeitweise so stürmischer Wind, dass wir bei einer Rast kaum die Türen des WoMo öffnen konnten. So stark drückte der Wind dagegen.

In Irkutsk wollten wir uns nicht mehr lange aufhalten und somit war nur Einkaufen angesagt. In einem Spar Supermarkt kauften wir diesmal ein und stellten leider fest, dass dies der schlechteste Markt war, den wir auf unserer bisherigen Reise aufgesucht hatten. Wir bekamen zwar alles, es machte aber keinen Spaß. Ein chaotischer Laden mit mürrischem Personal. Wir hatten uns für heute kein festes Ziel vorgenommen und fuhren anschließend noch bis Kultuk an der Südseite des Baikalsees.

nur wenige Meter abseits der Hauptstaße

Ein sehr netter Ort. Die Fahrt dorthin führte über fast 1000 m hohe Berge. Der Wind hatte inzwischen nachgelassen und es war wärmer geworden. Allerdings fiel am Nachmittag dann innerhalb von
90 Minuten die Temperatur wieder
um 10 ° C, sodass es uns schon wieder fröstelt.

Blick auf Kultik

Wir stehen hier mitten in der Stadt an der Schule und die Anwohner aus der Nachbarschaft waren schon zu Besuch mit einer Besichtigung unseres „DOM“ hier. War nett, als die Kinder mit ihrer Mutter kamen und versuchten, mit uns ins Gespräch zu kommen. Ohne Giselas, wenn auch spärliche Sprachkenntnisse wäre dies alles nicht möglich.

Am heutigen Morgen fuhren wir dann gemütlich weiter am Baikalsee entlang. Es ist hügelig und immer wieder sieht man den See. Knapp neben der Straße die Bahnlinie, die über mannigfache Tunnel und Brücken parallel zur Straße verläuft. Es ist abenteuerlich, mit welcher Präzision die Bahnstrecke gebaut wurde.

Wie überall im Land ist die Bahnstrecke auch hier äußerst gut erhalten, gepflegt und stark frequentiert.

Gegen Mittag bestaunten wir eine Bahnbrücke von 1905. Als wir wieder zurück am WoMo waren, sprach uns eine junge Frau aus Sachsen an, die hier lebt. Es war ein sehr interessantes Gespräch, welches viele unserer Eindrücke aus diesem Land bestätigte.

Trotz Einladung zur Banja fuhren wir weiter. Im nahegelegenen Nationalpark bei Tanchoy ist sehr ausführlich die Flora und Fauna dieser Region dargestellt. Ich will euch mit Details nicht langweilen. Für uns aber war schon interessant, dass 73% aller Feuchtgebiete der Erde in Russland liegen und dass die sibirischen Cedern am Ende immer fünf Nadeln haben und im Gegensatz dazu die Pinien die Nadeln immer paarweise haben. Hier sind alle

sibirische Zeder mit fünf Nadeln am Ende

Informationen nicht nur in Russisch sondern auch in Englisch aufgeführt. Dies hat uns die Information wesentlich vereinfacht. Der angelegte Pfad hier von knapp 3 km war der erste in Russland angelegte Waldpfad, der auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist. An dieser Stelle „danke“ an Brigitte. Ohne ihren Tipp hätten wir hier bestimmt nicht gehalten.

Hier auf dem Parkplatz (N51 32 48.1 E105 07 06.7) haben wir gerade gegessen und wollen auch die Nacht verbringen. Bis Ulan Ude sind es noch 260 km, diese werden wir morgen wohl schaffen.

 

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2 Antworten zu Olchon, leider nur ein Paradies auf Zeit

  1. Buchmann sagt:

    Hallo Gisela und Wolfgang,
    gespannt verfolge ich eure stets interessanten Berichte.
    Alles Gute weiterhin
    Ingrid

  2. Peter sagt:

    Hallo Gisela und Wolfgang, auch wir genossen den ersten Abend mit euch Und noch besser hat uns gefallen, dass ihr diesem Abend noch 2 weitere habt folgen lassen. Wir waren mit Gerda und Jürgen zuerst auf der Ostseite, hatten dort direkt am Wasser am Dorfrand übernachtet, um am nächsten Vormittag anstrengende und nicht enden wollende 12 km bis zur Nordspitze zu fahren. Dort hatten wir dann auch eine Nacht verbracht, aber die 2. schafften wir nicht mehr, denn es zog am frühen Nachmittag ein Gewitter über den See. Und da wir nicht wussten, was da draus wird und wir evtl. die vielleicht matschige Piste nicht schaffen würden, machten wir uns gen Süden auf. Und jetzt stehen wir südlich des Schlagbaumes und geniessen den Rest des Tages, wieder mit Blick auf den Baikal – alles könnt ihr in Kürze auf unserer HP http://www.donnerlaster.de nachlesen bzw. träumend die Fotos von den Stellplätzen betrachten.
    Viele Grüße Brigitte und Peter

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