Wir sind in der Mongolei

Wir fuhren abends noch die 50 km bis zur Grenze und übernachteten dort auf der russischen Seite etwa 300 m vor der Grenze auf einem Parkplatz nahe einer Tankstelle. Der Übernachtungsplatz war sehr unromantisch genauso wie der Grenzort Kyakhta. Der Ort gab nicht einmal richtig etwas zum einkaufen her. Kurz vor dem Ort dann eine große Garnison mit Panzern und allem was dazu gehört. Gisela wollte im Ort übernachten, ich war dagegen. Irgendwie hatte ich kein gutes Gefühl. Vielleicht waren es auch nur der Grenzzaun und die Wachposten in ihren Grenztürmen. Es erinnerte sehr an die DDR.
Unser Parkplatz war nicht schlecht als Übernachtungsplatz. Da die Grenze in der Nacht geschlossen ist, ist der Verkehr fast Null. Zwei LKWs parkten auch über die Nacht und einige PKWs und Lieferwagen kamen und luden oder verstauten ihre Schmuggelwaren. War interessant zu beobachten. Ansonsten war es eine sehr ruhige Nacht.

Der Weg zur Grenze war am nächsten Morgen rasch zurückgelegt. Wir konnten links an all den wartenden LKWs vorbeifahren und waren das zweite Auto als kurz nach 9 Uhr das Tor geöffnet wurde. Die Kontrolle war zumindest bei dem Mongolen vor uns sehr genau. Bei uns schnüffelte der Drogenhund nur kurz rein und dann wollte ein Beamter noch ins WoMo sehen. Ich befolgte Giselas Ratschlag, zog vor dem betreten „unserer Wohnung“ die Schuhe aus und schon war alles erledigt. Der Beamte warf nur einen Blick hinein und die Prozedur war beendet. Allerdings mussten wir anschließend noch durch ein mobiles Röntgengerät fahren. Als dies erledigt war, hatten wir schon alle Stempel und konnten Russland verlassen. Dies dauerte nur knappe 30 Minuten. 200 m später dann die Mongolei. Dies war schon etwas komplizierter. Zuerst bekamen wir einen Passierschein und mussten 100 Rubel bezahlen. Ich musste dann auf die andere Seite des Zollhäuschens und eine sehr zuvorkommende Dame registrierte unser WoMo. Jetzt hatte ich auch den Passierschein fürs WoMo. Gisela hatte das WoMo inzwischen zum Gebäude der Zollkontrolle gefahren. Sie hatte ihren Passierschein schon ausgefüllt und wir füllten meinen aus. Stempel Nr. 1 erhalten. Am nächsten Schalter bekamen wir dann den Stempel Nr. 2 nach einer Kontrolle des Fahrzeuges. Wieder natürlich betreten ohne Schuhe und schon wollte keiner mehr. Dieser Beamte war sehr hilfreich und sprach ein passables englisch. Er schickte uns mit dem Fahrzeug zur nächsten Stopp-Stelle vor. Upps, der Dame fehlte aber nun der 3. Stempel. Also zum nächsten Schalter und wieder upps. Die Dame fand unser Fahrzeug nicht im Computer. Nach 10-minütigem Suchen fragte sie ihren Kollegen hilflos um Rat und verschwand. Vermutlich zur Pinkelpause. Sie kam nicht zurück. Ihr Kollege griff dann das Ganze auf und nach mehrmaligem telefonieren hatten wir auch den 3. Stempel. Wir konnten weiter fahren. Durften durchs Gate und dann vor dem nächsten Gate durften wir noch Straßenbenutzungsgebühr in Höhe von 100.- Rubel bezahlen und direkt vor dem nächsten Gate eine Haftpflichtversicherung abschließen, 1750 Rubel. Ohne geht es nicht! Dies ärgerte mich, da ich von Deutschland aus schon die Mongolei eingeschlossen hatte. Im ganzen Zollbereich waren Geldwechsler unterwegs, die ihre Dienste anboten. Wir wechselten nicht und bezahlten die Gebühren in Rubel.

Jetzt waren wir außerhalb des Grenzbereichs und schon nach 300 m war ein ATM und daneben ein Telefonladen. Zuerst besorgten wir uns mongolische Tugrik, dann eine Telefonkarte. Die Telefonkarte mit 5 GB Datenvolumen kostete 30000.- Tugrik. Am Geldautomaten war der höchste vorgegebene Betrag 80000.- Tugrik. Dies zeigt schon etwas das Niveau im Land. 1.-€ entspricht ca. 2175.- Tugrik. Schon bald stellten wir fest, dass wir einen Fehler gemacht hatten, indem wir in Russland nicht erneut vollgetankt haben. Zwar hätten nur 25 Liter hineingepasst, aber der Dieselpreis ist hier in der Mongolei nicht nur ein klein wenig teurer, sondern mit 85 Cent schon wesentlich teurer als in Russland.

Unser erster Eindruck in der Mongolei – fantastisch! Die Straße war gut und die Landschaft mit ihren Licht- und Schattenspielen grandios. Das Hochtal sehr weitläufig und doch begrenzt von hohen Bergen.

Der längste Straßenabschnitt, den ich gerade vor mir überblicken konnte, war 7 km lang und verschwand dann hinter einer kleinen Kuppe um dann weiter geradeaus zu gehen. Wenig Verkehr, wenig Menschen. In der Mongolei, die 4,5-mal so groß wie Deutschland ist, leben nur gut 3 Mill. Einwohner und die Hälfte davon in der Hauptstadt Ulan Bator. Auf der gesamten Strecke heute keine Polizeikontrolle, auch dies tat gut. Die Landschaft erinnerte uns stark an die Sahara. Die Weitläufigkeit, die Klarheit, die Landschaftsform und der Sandsturm, all dies ließ alte Bilder in uns aufleben.

Über Darkhan fuhren wir zur buddhistischen Klosteranlage nach Amarbayasgalant. Dies ist zwar auf dem Wege nach Ulaan Baatar ein Umweg von 180 km, aber absolut sehenswert. Bis auf die letzten 39 km ist die Straße in tadellosem Zustand. Die letzten 39 km sind Erdpiste hinauf in die Berge und erfordern ein wenig fahrerisches Können.

Die Piste ist mit Hilfe des Navis gut zu finden. Mir machte es Spaß, allerdings für Gisela war es eine Herausforderung. Für Beide von uns war die Fahrt da hoch mehr als lohnenswert.
Diese herrliche Land-schaft, die Jurten, die Winterunterkünfte der Nomaden – wir sind begeistert.
In einsamer Landschaft, weitläufig umgeben von Jurten und Nomaden-herden, etwa 1 km vor der Klosteranlage stehen wir nun traumhaft am Rücken eines Berges und unsere Augen strahlen.

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Amarbayasgalant, buddhistisches Kloster „glückliche Ruhe“

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Unser Route bis 02.06.2015

Luftlinie gemessen sind es noch 1300 km bis Peking

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An der Grenze zur Mongolei

Die Nacht war miserabel und der Morgen schrecklich. Wir hatten spät am Abend noch Kontakt mit zu Hause und dies war gelinde gesagt etwas schwierig. Wir hatten die Aufgaben zu Hause wohl als zu gering eingestuft und unsere Kinder überfordert. Zum Glück ist unser Freund Hans-Georg sofort bereit gewesen zu unterstützen und auch auf unsere Nachbarn Biggi und Jürgen können wir uns verlassen. Bei Claudia, Martina, Elli, Hans-Georg, Biggi und Jürgen möchten wir uns recht herzlich bedanken. Ohne ihre Unterstützung und ihren Rückhalt wären solche Reisen nur schwer möglich.

Sibirien Highway

Die weitere Strecke führte uns noch wenige Kilometer entlang des Baikalsees und ging dann über in eine hüglige Landschaft bis Ulan Ude. Zwar war auf der Strecke noch das Dorf Babuschkin als sehenswert ausgewiesen, aber insgesamt gab die Strecke wenig her obwohl sie von der Landschaft sehr abwechslungsreich ist.

Schon gegen Mittag waren wir in Ulan Ude. Dort gab es auch nur die weltgrößte Leninbüste. Mit über 7 m Höhe domminiert sie den Platz.
Ansonsten gab diese Stadt keinen Anlass zu einer längeren Verweildauer. Da gerade auch Ferienbeginn in Russland ist (hier sind 3 Monate Sommerferien) und dies in der Innenstadt gefeiert wurde, verloren wir keine Zeit und machten uns auf den Weg zum Russisch-Buddhistischen-Zentrum nach Ivolginsk. Bei der Ausfahrt aus der Stadt, beim Überqueren und Einfahren in eine vierspurige Straße mit viel Verkehr übersah ich dann leider einen 15 cm hohen Randstein und fuhr mit zwei Rädern darüber. Da ich beschleunigte, tat es zwei sehr starke Rumpler. Ein Hoch auf Toyota und auch die Felgen, es entstand kein Schaden. Das WoMo hat meinen Fehler verziehen. Ich ärgerte mich trotzdem noch Stunden später und mein Allgemeinzustand wurde dadurch nicht besser.

30 Kilometer später an dem buddhistischen Kloster angekommen, befindet sich etwa 500 m hinter der Klosteranlage eine kristallklare Quelle. Sie sprudelt in einem kleinen Quelltopf aus der flachen Erde und ist eingefasst. Aus der Quelle füllten wir unsere Trinkwasservorräte nach.
Anschließend parkten wir auf dem Klosterparkplatz und richteten uns hier auch gleich für die Übernachtung ein.
Da es mir den ganzen Tag nicht gut ging, blieb ich im WoMo zurück und pflegte meine Depression. Gisela erkundete die Umgebung des Klosters und freute sich über die vielen, prächtig gekleideten Menschen, die in Omnibussen in Scharen ankamen. Mich konnte leider heute nichts mehr begeistern.
Und so sah ich ohne Begeisterung, im Internet, einen deutschen Krimi an, der am Vorabend in Deutschland ausgestrahlt worden war.
Heute Morgen wachte ich dann sehr müde und zerschlagen auf. Es war als ob ich sehr krank gewesen wäre. Zum Glück hat Gisela dies alles besser weggesteckt.

Wir besichtigten heute Morgen das Kloster und beteten, wie alle Gläubigen hier, durch das Antreiben der Gebetsmühlen um Glück, Frieden, Gesundheit und Wohlstand. Gesundheit ist wohl unser höchstes Gut. Dies empfinden wir heute ganz besonders stark. Wir haben heute Nacht noch erfahren, dass ein junger Nachbar mit 24 Jahren am Vortag tödlich verunglückt ist. Wenn man so etwas aus Elternsicht betrachtet ist dies einfach grausam und unvorstellbar.

Mit all diesen Gedanken fuhren wir dann gegen 11 Uhr weiter Richtung Grenze. Etwa 100 km vor der Grenze war ein Naherholungsgebiet ausgewiesen und Gisela war es nach einer Pause. Die kurze Strecke bis zum See, der schon in Sichtweite war, war schnell zurückgelegt. Genauso schnell waren wir aber wieder auf der Straße zurück.

Wir hatten am See, der wunderschön lag, gerade angehalten als schon tausende von Stechmücken unser Auto umlagerten. Einfach grausig.

Wenige Kilometer später machten wir dann Rast in einer wüstenähnlichen Umgebung. Dort war durch Motorwärme und Sonne unser Wassersack sehr schnell erwärmt, sodass Gisela endlich ihre heißersehnte Dusche bekam.

Es sind nun noch 50 Kilometer bis zur Grenze. Diese wollen wir erst Morgen früh passieren. Heute möchte ich noch den Blog ins Netz stellen. Ab Morgen haben wir dann erst einmal kein Telefon und Internet. In der Mongolei wird es dann auch für die nächsten Wochen schwieriger werden regelmäßig etwas ins Netz zu stellen oder mit der Welt da draußen in Verbindung zu bleiben. Allerdings, gestern habe ich auch Tagesschau mal wieder gesehen, hat sich da draußen nicht viel verändert das man unbedingt wissen müsste.

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Olchon, leider nur ein Paradies auf Zeit

Die Tage hier waren sehr schön. Die Seele baumeln lassen, die Natur genießen. Von unserem Hotel aus machten wir einen 7-stündigen Ausflug mit einem russischen Kleinbus in das Herz des Naturschutzgebietes. Nicht selbst fahren zu müssen hat auch seine Qualität.

Auch im östlichen Teil der Insel ist die Landschaft überwältigend. Strand, Steilküste und steppenähnliche Landschaft wechseln sich alle paar Kilometer ab. In dieser Einsamkeit ließ Stalin einen Gulag errichten. Dort mussten dann bis zu 10000 Menschen ihren Arbeitsdienst ableisten in einer Fischfabrik. Reste sind auch heute noch zu sehen.
Wieder zurück in unserem „Hotel“ wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass an diesem Abend ein sibirisches Reggae-Konzert stattfindet. Ein Kolumbianer und seine kasachische Frau gaben südamerikanisch/ sibirische Volksmusik zum Besten. Eine mehr als interessante Kombination. Wir waren begeistert.
Anschließend brach leider unsere letzte Nacht in dieser Unterkunft an. Gisela holte noch unsere frischgewaschene Wäsche ab. Diese war hier etwas überteuert, das Kilo für 150 Rubel gewaschen worden. Sauber und trocken war sie, doch leider war das meiste sehr zerknittert. Egal, wir sind in Russland und wir werden es schon glatt tragen.

Am Morgen wurde dann gepackt. Da wir aus Mails wussten, dass heute Peter und Brigitte gegen 19 Uhr auf der Insel ankommen wollten, entschlossen wir uns, die Insel noch nicht zu verlassen und noch einen Abend mit den Beiden zu verbringen. Das Treffen klappte hervorragend und wir saßen in einer einsamen Bucht sehr nett zusammen. Es war so schön, dass diesem Abend noch zwei weitere folgten. Am nächsten Abend kamen auch noch zwei weitere deutsche Russlandreisende dazu und somit waren wir mit Jürgen und Gerda dann 6 Personen, die beim Grillen einen schönen Abend verbrachten. Danke hier an dieser Stelle noch an die Vier für die Rationen die sie mit uns teilten. Da wir auf „Hotel“ eingestellt waren und das Treffen nicht eingeplant hatten, waren wir etwas knapp mit frischen Lebensmitteln, Bier und Wein. Wodka hatten wir noch genügend.
Unser letzter gemeinsamer Abend wurde dann unterbrochen von den Rangern des Parks. Sie forderten uns auf, den Platz zu verlassen. Übernachtung hier sei illegal.


Da wir nicht sicher herausfinden konnten ob sie nur angetrunken waren, sich versuchten ein zusätzliches Einkommen zu ergaunern oder gar im Recht waren, verlagerten wir uns in das 17 km entfernte Dorf und verbrachten dort einen netten Abend und die Nacht. Die Vier wollten am nächsten Morgen weiter in den Park hinein und wir nahmen deshalb Abschied und versuchten um 10 Uhr die Fähre zu erreichen.
Pünktlich um 5 Minuten vor 10 Uhr waren wir dann an der Fähre und mussten feststellen, dass sie leider voll war. 1 Stunde warten war dadurch angesagt.
Eine Zeit, die ich ausnutzen konnte. Da ich seit Tagen nicht zum schreiben gekommen bin, war dies die willkommene Gelegenheit.

Wieder auf dem Festland zurück fuhren wir Richtung Irkutsk. Dort wollten wir unsere Lebensmittel auffüllen und dann weiter in Richtung Ulan Ude. Es war auf der Fahrt zeitweise so stürmischer Wind, dass wir bei einer Rast kaum die Türen des WoMo öffnen konnten. So stark drückte der Wind dagegen.

In Irkutsk wollten wir uns nicht mehr lange aufhalten und somit war nur Einkaufen angesagt. In einem Spar Supermarkt kauften wir diesmal ein und stellten leider fest, dass dies der schlechteste Markt war, den wir auf unserer bisherigen Reise aufgesucht hatten. Wir bekamen zwar alles, es machte aber keinen Spaß. Ein chaotischer Laden mit mürrischem Personal. Wir hatten uns für heute kein festes Ziel vorgenommen und fuhren anschließend noch bis Kultuk an der Südseite des Baikalsees.

nur wenige Meter abseits der Hauptstaße

Ein sehr netter Ort. Die Fahrt dorthin führte über fast 1000 m hohe Berge. Der Wind hatte inzwischen nachgelassen und es war wärmer geworden. Allerdings fiel am Nachmittag dann innerhalb von
90 Minuten die Temperatur wieder
um 10 ° C, sodass es uns schon wieder fröstelt.

Blick auf Kultik

Wir stehen hier mitten in der Stadt an der Schule und die Anwohner aus der Nachbarschaft waren schon zu Besuch mit einer Besichtigung unseres „DOM“ hier. War nett, als die Kinder mit ihrer Mutter kamen und versuchten, mit uns ins Gespräch zu kommen. Ohne Giselas, wenn auch spärliche Sprachkenntnisse wäre dies alles nicht möglich.

Am heutigen Morgen fuhren wir dann gemütlich weiter am Baikalsee entlang. Es ist hügelig und immer wieder sieht man den See. Knapp neben der Straße die Bahnlinie, die über mannigfache Tunnel und Brücken parallel zur Straße verläuft. Es ist abenteuerlich, mit welcher Präzision die Bahnstrecke gebaut wurde.

Wie überall im Land ist die Bahnstrecke auch hier äußerst gut erhalten, gepflegt und stark frequentiert.

Gegen Mittag bestaunten wir eine Bahnbrücke von 1905. Als wir wieder zurück am WoMo waren, sprach uns eine junge Frau aus Sachsen an, die hier lebt. Es war ein sehr interessantes Gespräch, welches viele unserer Eindrücke aus diesem Land bestätigte.

Trotz Einladung zur Banja fuhren wir weiter. Im nahegelegenen Nationalpark bei Tanchoy ist sehr ausführlich die Flora und Fauna dieser Region dargestellt. Ich will euch mit Details nicht langweilen. Für uns aber war schon interessant, dass 73% aller Feuchtgebiete der Erde in Russland liegen und dass die sibirischen Cedern am Ende immer fünf Nadeln haben und im Gegensatz dazu die Pinien die Nadeln immer paarweise haben. Hier sind alle

sibirische Zeder mit fünf Nadeln am Ende

Informationen nicht nur in Russisch sondern auch in Englisch aufgeführt. Dies hat uns die Information wesentlich vereinfacht. Der angelegte Pfad hier von knapp 3 km war der erste in Russland angelegte Waldpfad, der auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist. An dieser Stelle „danke“ an Brigitte. Ohne ihren Tipp hätten wir hier bestimmt nicht gehalten.

Hier auf dem Parkplatz (N51 32 48.1 E105 07 06.7) haben wir gerade gegessen und wollen auch die Nacht verbringen. Bis Ulan Ude sind es noch 260 km, diese werden wir morgen wohl schaffen.

 

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Der Baikal, ein See mit mystischer Wirkung

Gestern Abend gab es den ersten Baikal-Fisch in „unserer“ Kantine. Unser „Hotel“ ist eher ein Backpacker und oder gerade deshalb sehr reizvoll.

Der Besitzer soll dieses Areal ursprünglich bewohnt haben und nach und nach als Unterkunft ausgebaut haben. Es hat einen gewissen Charme, obwohl ich es im letzten Bericht als „vereinigte Hüttenwerke“ bezeichnet habe. Es tut gut, wieder mal unter Menschen (Touristen) zu sein und es tut gut, so viele junge Menschen um sich zu haben. Wir heben den Altersdurchschnitt gewaltig an. Obwohl, gestern lernte ich die 85-jährige Mutter der Besitzerin kennen. Sie war Dolmetscherin, spricht gut Deutsch und erzählte ihre Lebensgeschichte. Das Leben ist nicht einfach hier.

Heute waren wir wandern, zuerst am Strand entlang und dann durch Kiefernwälder zurück. Fast ausschließlich Sandboden und auf der ganzen Strecke von über 12 km waren wir alleine.

 

Der Baikal-See ist der größte Süßwassersee der Welt und hat eine größere Ausdehnung als die Ostsee. Er ist 670 km lang und über 80 km breit. Er beinhaltet 480mal den Wasserinhalt des Bodensees. Das Wasser ist sehr sauber und kristallklar. Der See hat eine Tiefe von bis zu 1600 m und man kann bis zu 50 Meter Tiefe sehen. Er ist der älteste Süßwassersee der Erde und hat nur einen Abfluss. Über den Angara in den Jenissei gelangt er zum Polarmeer. Gespeist wird der See aus über 330 Flüssen und unzähligen Bächen. Der Baikalsee steht unter dem Weltkulturerbe der UNESCO. Wenn man die Nächte einbezieht, ist nur der Juli hier als absolut frostfreier Monat zu sehen. Selbst im Juni und August können Nachtfröste hier auftreten. Es leben über 50 verschiedene Fischarten im Baikal und eine Besonderheit ist die Baikal-Robbe. Sie ist etwas kleiner als die Robben die wir bisher kannten. Sie kam vermutlich aus dem Eismeer über den Jenissei und hat sich im Laufe der Zeit sich auf das Leben in  Süßwasser umgestellt.

Am Baikal entlang am Nordufer ist ein Nationalpark eingerichtet. Hier sollte vor ein paar Jahren in wenigen Kilometern Abstand eine Erdöl-Pipeline gebaut werden und man muss Danke sagen, dass die Umweltschützer, die auch so langsam in Russland an Stellenwert gewinnen, es erreicht haben, dass dieses Projekt nicht realisiert wurde. Hier hat sogar Herr Putin Stellung bezogen und die geplante Streckenführung abgelehnt. Allerdings ist das „Paradies“ Baikal immer noch bedroht. Großindustrie, die ihre Abwässer in den See einleiten und die Datscha-Bauten vieler Russen direkt am Ufer setzen dem See sehr zu. Umweltgesetze werden dabei großzügig außer Acht gelassen. Trotz des extremen Klimas entdecken immer mehr Russen als Touristen dieses Gebiet.
Der Baikalsee liegt im kontinentalen Grabenbruch, der sich immer noch erweitert und somit für starke seismografische Aktivitäten sorgt. Etwa alle 20 Jahre ist hier ein größeres Erdbeben zu verzeichnen.

Im Baikalsee gibt es mehr als 20 Inseln und auf der größten befinden wir uns gerade.

Olchon, am Westufer des Sees gelegen und über 70 km lang. Mit Bergen von über 1200 m Höhe, das heißt, sie ragen mehr als  800 m aus dem See heraus. Die Insel ist sandig, sehr kahl und hat oft Steilküste. Es regnet relativ wenig und die Fähre verkehrt auf Grund des Eises nur zuverlässig zwischen Juni und September. In den Wintermonaten kann die Insel über den zugefrorenen See, selbst mit LKWs, erreicht werden.
Im Moment haben wir jedoch Sonnenschein hier. Heute Nacht hat es geregnet. Die 85 jährige Dame sagte aber heute Morgen, „so etwas bezeichnen die als Regen hier“. Sie hat ja recht, richtiger Regen war das nicht. Bei unserer Wanderung heute sind wir auf einen Friedhof gestoßen. Hier sind noch aus der Stalin-Zeit, der Zeit der Zwangsumsiedlung, Gräber vorhanden.
Außerdem ist im Ort noch ein Burjaten-Museum eingerichtet welches wir besucht haben. Die Burjaten sind eine mongolische Ethnie mit eigener Republik in der Russischen Föderation.  Man muss jedoch schon kulturell und geschichtlich sehr interessiert sein, um dem Reiseführer zu zustimmen, dass dies sehenswert ist. Das Museum Sammelsurium vergangener Zeiten, das nicht gerade liebevoll zusammengestellt wurde.

Morgen werden wir eine 7-stündige Exkursion über die Insel und in den Nationalpark unternehmen.

Ausführliche  Informationen über den Baikal gibt es

http://de.wikipedia.org/wiki/Baikalsee

und speziell über Olchon und das Siedlungsgebiet der Burjaten

http://de.wikipedia.org/wiki/Olchon

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Kultstätte der Schamanen

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Folklore, auf dem Weg am Baikal entlang

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Bis zum Baikal sind es nur noch 1000 km – Wir sind da!

Am Morgen wachten wir wie üblich zum ersten Mal gegen 5 Uhr auf. Die Sonne blinzelte herein und wir stellten zum wiederholten Mal fest, dass wir die Zeitumstellung einfach noch nicht bewältigt haben. Das zweite Mal als wir dann aufwachten war es gegen 8 Uhr. Die restlichen Kilometer nach Krasnojarsk waren schon bald abgespult.

Krasnojarsk hat eigentlich nicht viel zu bieten und doch finden wir es wunderschön. In einem Kommentar wurde es ja schon angekündigt und tatsächlich, es gibt hier Berge mit 400 m. Die Landschaft veränderte sich dadurch sehr und wurde für uns interessanter. Krasnojarsk liegt am Jenissei und bei Krasnojarsk befindet sich der Staudamm der den Jenissei, der aus dem Süden kommt, staut. Der Jenissei ist mit seinen fast 3500 km Länge einer der längsten Flüsse der Welt und entspringt in der Mongolei und fließt in das Polarmeer. Im Sommer ist er schiffbar und die Schiffe versorgen die Dörfer bis hoch zum Polarmeer. Im Winter ist er befahrbar und die Verbindung zu den Dörfern erfolgt auf dem zugefrorenen Fluss. Pisten in Richtung Norden gibt es nur noch für die nächsten 200 km, dann endet das Straßennetz und ein Fortkommen mit dem Fahrzeug ist außerhalb der Wintermonate unmöglich. Allerdings beginnt dort, wo die Straßen enden, auch schon der Permafrostboden. Der Staudamm hier wurde im Jahre 1969 fertig gestellt und versorgt diesen Landesteil mit Strom. Hauptsächlich für die Aluminiumgewinnung wird viel Energie benötigt. Außer Aluminium werden hier noch mannigfach andere Bodenschätze abgebaut. Uran, Erdöl, Erdgas, Gold, Kohle und vieles mehr. Durch die gewaltige Wassermenge, die hier angestaut wird, hat sich das Klima verändert. Das Wasser im Stausee speichert in den Sommermonaten so viel Wärme, dass der See trotz der Kälte im Winter nicht zufriert. Der Fluss unterhalb der Staumauer ist in der Regel von November bis März zugefroren und dadurch als Autostraße nutzbar. Der Jenissei mit See ist schiffbar und die Schiffe werden über ein Schiffshebewerk vom Fluss in den See transportiert. Ein gewaltiges Bauwerk. Auch Flusskreuzfahrten sind möglich. Darüber hinaus ist der Fluss für den Holztransport sehr nützlich. Hier in der Taiga befindet sich das größte zusammenhängende Waldgebiet der Welt.

Wir verbrachten den ganzen Tag mit Staunen und Schauen. Am Nachmittag verließen wir die Gegend allerdings wieder und fuhren noch 40 km weiter. Dort stehen wir nun einen Kilometer abseits des Transsib-Highway mitten in einem Feld. Soweit das Auge reicht ein Feld. Weit in der Ferne ein kleines Dorf. Wir hätten gerne einen Baum als Sichtschutz gehabt, den gab es aber nicht und die wenigen Birken standen in der Nähe von Wasser, sodass wir beim Anfahren befürchten müssten, dass wir im Schlamm versinken. Also stehen wir auf dem Feld, der Wind rauscht und einige Vögel pfeifen. Sonst ist es still. Wir genießen was in Deutschland so schon lange nicht mehr möglich ist und philosophieren so vor uns hin, dass alles wohl Vor- und Nachteile hat.

So idyllisch es hier am Vorabend war, so idyllisch war auch der Morgen. Nach dem Frühstück verließen wir diesen Präsentierteller. Wir waren dort bestimmt auf 5 km rundum sichtbar, keiner nahm Notiz von uns. Es wurde ein traumhaft schöner Tag und wir fuhren nun durch die Hügel der Taiga auf endlos geraden, gut ausgebauten Straßen umsäumt von Wäldern soweit das Auge reicht. Teilweise ist auch hier sichtbar, dass Teile des Baumbestandes krank sind. Die Umwelt leidet auch hier, manchmal glauben wir sogar, mehr als zu Hause. Die Industrie in den Städten, die Erdölgewinnung, all dies trägt dazu bei. Umweltschutz wird sehr klein geschrieben.
Die Landschaft hat sich verändert und ist abwechslungsreicher geworden.
Mittagspause gab es an einem kleinen See. Trotz der noch niedrigen Wassertemperatur sahen wir zum wiederholten Mal, dass Einheimische schon baden. Zu kurz ist wohl der Sommer.
Abends stehen wir nun am Rande eines 500 Seelendorfes in Mittelsibirien an einem See und einer verfallenen Kirchenruine. Gisela kocht gerade Gulasch und der Wein ist schon kalt gestellt. Ihr seht, wir lassen es uns gut gehen.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann weiter in Richtung Irkutsk. Bernhard und Brigitte teilten uns per Mail mit, dass sie dort beim Eisenbahnmuseum auf einer Insel sehr zentral stehen würden. Bis dorthin waren es aber für uns noch 560 km. Sehr gemütlich mit Fotostopps fuhren wir auf der gut ausgebauten Straße ohne Zeitzwang. Ein Teilabschnitt der Straße, ca. 20 km lang, befand sich im Bau und wir konnten erspüren, wie diese Fahrt wohl vor 15 Jahren noch gewesen war. Am frühen Nachmittag fanden wir dann etwa 500 m entfernt von der Straße eine schöne abgeschirmte Waldlichtung, die kaum einsehbar war. Diese versprach einen ruhigen, ungestörten Abend. Wir wollten grillen. Schon nach wenigen Sekunden brannte die Birkenrinde, die ich abgeschält hatte und das aufgelegte Birkenholz entflammte schnell. Feuermachen ohne Papier und sonstige Mittel, mit Birkenholz geht es fantastisch. Schon bald darauf war die erste Wurst gegrillt und schmeckte köstlich. Bevor aber die zweite Wurst fertig war, hatten uns schon Kinder, wo die her kamen keine Ahnung, gerochen. Sie spazierten nur vorbei und schauten und trotzdem fühlten wir uns heute gestört. Brigitte hatte inzwischen angerufen und bedauert, dass wir Irkutsk heute nicht erreichen und somit entschlossen wir uns, heute doch noch die 160 km zu fahren. Gedacht, getan, um 20 Uhr waren wir in Irkutsk.

Die Insel ist tatsächlich ein sehr guter Platz zum übernachten und wir verbrachten eine ruhige Nacht. Allerdings waren wir auch entsprechend müde. Am nächsten Tag bummelten wir durch die Stadt. Der Markt war nett, aber hielt den Vergleich mit Novosibirsk nicht stand. Gisela und ich gingen dann zum Bahnhof um uns nach einer Fahrkarte nach Wladiwostok mit der Transsib zu erkundigen. Wie üblich auf den russischen Bahnhöfen bedeutete dies langes Anstehen. Leider um dann zu hören, dass keiner auch nur bruchstückweise englisch sprechen konnte oder wollte. Scheiße, welcher Reinfall und was jetzt. Gisela hat dies akzeptiert, mich aber wurmte diese „Niederlage“. Mit der Straßenbahn ( 20 Cent pro Fahrt) ging es zurück zum Zentrum. Als ich unterwegs ein Reisebüro sah, stiegen wir rasch aus. Leider wieder ein Reinfall, die Kollegin, die englisch sprach war nicht hier. Über Google fand ich aber dann ein Reisebüro und wir bekamen eine kompetente Beratung. Die Dame verstand zwar nicht, dass man 3 Tage Zugfahrt auf sich nehmen will wenn man es auch in kurzer Zeit mit dem Flugzeug schaffen könnte. Beratung hin, Beratung her, die Tickets waren kein Problem. Lediglich, dass es nur Viererabteil gab und man die Kabine teilen müsse und dass der verrückte Spaß auch hier in Russland 1000.- € kosten würde, gab den Ausschlag nicht zu fahren. Die reine Bahnfahrt hätte „nur“ 350.- € pro Person gekostet. Schade, aber vernünftig.
Es war trotzdem ein schöner Tag und abends waren wir wieder rechtschaffen müde. Mit über 25000 Schritten stellten wir an diesem Tag einen Rekord auf.

Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen von Brigitte und Bernhard. Sie fuhren weiter in Richtung Mongolei, wir hatten uns entschlossen noch ein paar Tage auf der Baikalinsel Olchon zu verbringen. Dies bedeutete, 260 km in nordöstlicher Richtung zu fahren. Die Fähre zum Übersetzen auf die Insel hatten wir erfahren, wäre in diesem Jahr schon in Betrieb. Oft verkehrt die Fähre im Mai noch nicht. Die Eisdecke ist für die Fähre noch zu dick, aber das Eis zu dünn um mit dem Fahrzeug direkt über den See zu fahren. Die Insel ist daher oft im Mai nicht zu erreichen. Wir hatten Glück und mit der vorletzten Fähre an diesem Tag setzten wir über.

Danach fuhren wir, hier sind alle Straßen Naturpisten, noch wenige Kilometer um dann querfeldein bis zur Steilküste zu fahren und dort in traumhafter , einsamer Umgebung die Sonne untergehen zu sehen.

Unterwegs, noch auf dem Festland, erlebten wir ein traditionelles Volksfest direkt an der Straße. Viele einheimische Folkloregruppen traten auf.

Pferdewettkämpfe fanden statt. Die Reiter und Reiterinnen auf geschmückten Pferden und in traditionellen Trachten. Wir konnten zwar nicht herausfinden was gefeiert wurde, letztendlich war dies aber auch egal. Es war einfach schön. An diesem Abend hatte Giselas weißes Haar wieder eine schöne braune Patina und als wir abends unser Gesicht abwischten, haben wir beide empfunden, dass wir schon seit Ewigkeiten nicht mehr so viel Dreck im Gesicht gehabt hatten.

Schaman-Felsen im Baikal

Unser Hotel für die nächsten 3 Tage

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Am Baikal

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